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Tauchmedizin und andere medizinische Dinge

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Durch die Einwirkung des Druckes kann der Taucher unterschiedliche Unfälle oder Erkrankungen bei seiner Arbeit erleiden. Daher muß auf diese Risiken besonders eingegangen werden

Angst und Streß

Die häufigste Unfallursache im Tauchbereich ist menschliches Versagen, ausgelöst durch Fehlreaktionen in Streßmomenten.

Der Mensch gerät in Panik bzw. bekommt Angst wenn sein Gehirn die einströmenden Reize nicht mehr verarbeiten kann. Dies ist beim Tauchen besonders häufig der Fall, weil der Taucher sich auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren muß. Nachstehende Ursachen verstärken diese Tatsache.

  • veränderte Wahrnehmung (andre Sicht)
  • veränderte Körperlage
  • Orientierungssinn verringert
  • veränderter Atemablauf
  • ungewohnte technische Apparate
  • geringe Kommunikationsmöglichkeit
  • gefährliche Tiere und Pflanzen

Desweiteren reagieren Menschen aber auch individuell auf Situationen durch unterschiedliche Reaktionen bei

  • Einsamkeit
  • Angst vor dem Versagen ( z.B. Prüfungsstress)
  • der Gefahreneinschätzung
  • Angst beim Tauchpartner
  • Angst vor der Angst
  • dem Gefühl ausgeliefert zu sein
  • affektbedingter Steigerung der Nervenaktivität

Grundsätzlich sollte der Taucher bei den ersten Angstgefühlen versuchen, erneut Kontrolle über die Situation zu erlangen. Dabei kann er sich auf die Atmung konzentrieren, an Trainingsübungen in solchen Situationen denken oder aber zum Abschluß des Tauchganges kommen und den Tauchgang abbrechen.

Tauchernotfälle und ihre Entstehung

Der Tauchgang wird in unterschiedliche Phasen unterteilt, in denen verschiedene Erkrankungen und Unfälle eintreten können. Diese Phasen werden wie folgt beschrieben.

Folgende Erscheinungen treten in den Phasen auf

  • Barotraumen in der Kompressionsphase
    • von Lunge
    • Ohren
    • Nebenhöhlen
    • Maske
    • Zähne
    • Haut
  • Vergiftungen in der Isopressionsphase
    • Sauerstoffvergiftung
    • Stickstoffvergiftung (Tiefenrausch)
    • Kohlendioxidvergiftung
    • Kohlenmonoxidvergiftung
  • Barotraumen in der Dekrompressionsphase
    • von Lunge
    • Zähne
    • Magen-Darm
  • Dekompressionskrankheit (DCI oder Caissonkrankheit) in der Dekompressionsphase

Vergiftungen

1. Sauerstoffvergiftung

In der Isopressionsphase entstehen unterschiedliche Vergiftungserscheinungen, die in erster Linie durch den erhöhten Partialdruck (siehe Gesetz von Dalton) der einzelnen Gase hervorgerufen werden.

Sauerstoff wird ab einem Partialdruck von ca. 1,5 bar toxisch. Dies entspricht bei normaler Atemluft einer Tauchtiefe von ca. 70 Metern. Aufgrund unterschiedlicher Faktoren kann eine Vergiftung aber auch schon früher oder später auftreten. Diese Faktoren sind die unterschiedliche körperliche Konstitution einzelner Menschen, Stress, körperliche Belastung und die Wassertemperatur.

Symptome einer Sauerstoffvergiftung sind

  • Trockenheitsgefühl im Mund
  • Hustenreiz
  • Druckgefühl in der Brust
  • Augenflimmern
  • Übelkeit
  • Muskelzucken bis Krampfanfälle
  • Bewußtlosigkeit mit der Gefahr des Ertrinkens
  • nachher Erinnerungslücken

 Maßnahmen bei Sauerstoffvergiftungen

  • Der Taucher muß sofort eine geringere Tauchtiefe aufsuchen. Normalerweise lassen dann alle Symptome sofort nach. 

2. Stickstoffvergiftung (Tiefenrausch)

Eine Stickstoffvergiftung kann ab einem Partialdruck von ca. 3 bar auftreten. Dies bedeutet ebenfalls nach Stress, Schlafmangel, Erkältungen oder Alkoholgenuß, daß sich Vergiftungserscheinungen bereits ab 30 Metern zeigen können. Spätestens ab 70 Metern leidet jeder Mensch am Tiefenrausch.

Symptome eines Tiefenrausches sind

  • Euphorie
  • erhöhtes Selbstbewußtsein
  • rauschartiger Zustand
  • Entschlußlosigkeit
  • Bewußtlosigkeit mit der Gefahr des Ertrinkens 

Maßnahmen bei Stickstoffvergiftungen

  • Der Taucher muß sofort eine geringere Tauchtiefe aufsuchen. Normalerweise lassen dann alle Symptome sofort nach.

3. Kohlendioxidvergiftung und Insufflement

Für die Kolendioxidvergiftung gibt es drei Ursachen. Zum einen kann durch schlechte Filter in der Kompressoranlage zur Füllung unserer Tauchflaschen oder einfach durch schlechte angesaugte Luft kohlendioxidhaltige Luft abgefüllt werden, die dann Vergiftungserscheinungen hervorruft. Zum Zweiten kann ein zu langer Schnorchel zu einer Pendelatmung führen. Dies bedeutet, daß ein Schnorchel mit einem Volumen von mehr als 150 ml keinen Gasaustausch mehr zuläßt, da er unsere ausgeatmete Luft mit einem erhöhten Kohlendioxidanteil immer wieder erneut ansaugt. Die Pendelatmung tritt jedoch auch bei starker körperlicher Belastung unter Wasser ein. Der Taucher neigt dann zur schnellen, flachen Atmung. Es erfolgt kein Gasaustausch, da die ausgeatmete Luft nur in die oberen Atemwege und nicht bis darüber hinaus gedrückt wird. Dies nennt man Insufflement.

Symptome einer Kohlendioxidvergiftung

  • höhere Atemfrequenz
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel und Übelkeit
  • Bewußtlosigkeit mit der Gefahr des Ertrinkens 

Maßnahmen bei Kohlendioxidvergiftungen

  • Der Taucher muß sofort den Tauchgang abbrechen.
  • Sauerstoffgabe
  • Druckkammerbehandlung 

4. Kohlenmonoxidvergiftung

Eine Kohlenmonoxidvergiftung entsteht durch sehr starkes Rauchen oder aber, wie bei der Kohlendioxidvergiftung durch schlechte in die Pressluftflasche abgefüllte Luft. Durch eine 200 bis 300 -fach stärkere Bindung von Kohlendioxid zum Hämoglobin im Gegensatz zu Sauerstoff ist kein Sauerstofftransport zu den Zellen mehr möglich.

Symptome der Kohlenmonoxidvergiftung

  • Kopfschmerzen
  • Rauschgefühl
  • Ohrensausen
  • Bewußtlosigkeit mit der Gefahr des Ertrinkens

Maßnahmen bei Kohlenmonoxidvergiftungen

  • Der Taucher muß sofort daß Gewässer verlassen.
  • Beatmung mit 100 % Sauerstoff
  • Druckkammerbehandlung um das CO vom Hämoglobin zu lösen.

5. Hyperventilation

Bei Nervosität, Angst, Kälte oder starker Arbeit wird häufig zu schnell Ein- und Ausgeatmet. Dadurch wird zu viel CO2 abgeatmet, wodurch irgendwann die Atmung ganz aussetzen kann.

Symptome der Hyperventilation

  • Schwindel
  • Kribbelgefühl in Händen und Füßen
  • Pfötchenstellung
  • Zuckungen
  • Bewußtlosigkeit mit der Gefahr des Ertrinkens 

Maßnahmen bei der Hyperventilation

  • Der Taucher muß sofort daß Gewässer verlassen.
  • Rückatmung der eigen Ausatmemluft mittels Beutel
  • Beruhigung 

In Schwimmbädern führt bei Streckentauchversuchen eine vorherige Hyperventilation nicht, wie erhofft zu einer erhöhten Sauerstoffsättigung des Blutes, sondern zu einem unter Wasser verspätet aber plötzlich einsetzendem Atemreiz. Dadurch kommt es häufig zum Stimmritzenkrampf und zu Ertrinkungsunfällen.

Barotraumen

Um das Geschehen eines Barotraumas verstehen zu können müssen gewisse physiologische Grundlagen des menschlichen Körpers bekannt sein. Grundsätzlich entstehen Barotraumen durch Druckdifferenzen in den Körperhöhlen. Es gibt sogenannte teilelastische Körperhöhlen wie Lunge, Magen und Darm oder aber starre Körperhöhlen wie Ohr, Kopfhöhlen und Zähne.

Weitere Barotraumen können an der Haut entstehen, wenn z. B. der Maskeninnendruck beim Abtauchen nicht dem Wasserdruck angepasst wird (das Gesicht bzw. die Augen sind dann Blutunterlaufen auch Blaukom genannt) oder Trockentauchanzüge ohne Belüftung (blutunterlaufene Striemen bilden sich an den Falten des Anzuges) genutzt werden.

Die teilelastischen Körperhöhlen wie z.B. die Lunge können eventuelle Druckanstiege oder Druckgefälle durch ihre Flexibilität zumindest teilweise ausgleichen.

Die starren Körperhöhlen können im Gegensatz dazu nur begrenzt Druckunterschiede aus-gleichen und verursachen dadurch schon viel früher Verletzungen oder zumindest Schmerzen.

Damit der Taucher diese Schmerzen zuordnen kann ist in den folgenden Zeichnungen die Lage einiger Körperhöhlen gekennzeichnet.

Um einen Druckausgleich zwischen dem Umgebungsdruck und den Kopfhöhlen wie

  • Stirnhöhlen,
  • Siebbeinzellen,
  • Kieferhöhlen,
  • Paukenhöhle,
  • Warzenfortsatzzellen und
  • Keilbeinhöhle

herstellen zu können, dürfen die Verbindungswege zum Nasen- und Rachenraum nicht durch Schleim (z. B. bei Schnupfen) belegt sein.

Gleiches gilt auch beim menschlichen Ohr. Hier darf die sogenannte eustachische Röhre nicht blockiert sein, da das Trommelfell das Innenohr vor Wassereintritt schützen muß.

Barotraumen der Kopfhöhlen

Wie bereits erwähnt, entsteht beim Abtauchen, das heißt in der Kompressionsphase, ein Überdruck, der auch auf die Kopfhöhlen wirkt. Wenn nun die Verbindungen zu den oberen Atemwegen z. B bei Erkältung durch Schleimabsonderungen verlegt sind, kann der Überdruck sich nicht in diese Hohlräume fortpflanzen und es entsteht einer relativer Unterdruck zum Umgebungsdruck. Die Schleimhäute, die diese Höhlen auskleiden versuchen zuerst durch eigene Elastizität dies auszugleichen. Wenn das nicht mehr gelingt kommt es zu Flüssigkeitsverschiebungen und später zum Bluteintritt (wenn die Schleimhäute unter der Belastung reißen) in die Kopfhöhlen. Eine Folge ist dann z.B. Nasenbluten.

Aber auch beim Auftauchen (Dekompressionsphase) können sich die Ausgänge der Kopfhöhlen noch mit Schleim verschließen. Nun kann der entstehende Überdruck durch das Auftauchen nicht abgegeben werden. Es kann zu einem Überdruckbarotrauma dieser Hohlräume kommen.

Barotrauma des Ohres

Die häufigste Ursache eines Barotraumas der Ohren ist ein nicht gelungener Druckausgleich bei Verlegung der eustachischen Röhre. Der Taucher muß den Druckausgleich normalerweise bewußt durch Kieferbewegungen, Schluckreflex oder Pressatmung gegen die verschlossene Nase durchführen. Erst dann kann beim Abtauchen oder Auftauchen die Verbindung zu den Atemwegen geöffnet werden und eine Druckdifferenz kann sich ausgleichen.

Auch dies kann bei Schleimverlegung der eustachischen Röhre (z. B. Schnupfen) unmöglich werden.

Nun versucht das Trommelfell durch eine Wölbung die Druckdifferenz zu nehmen, schafft dies aber nur bedingt. Zuerst äußert sich dies durch Schmerzen. Der Arzt kann dann meist schon ein Hämatom auf dem Trommelfell feststellen. Wenn die Elastizität des Trommelfells erschöpft ist, reiß dieses und es kommt zum Wassereintritt ins Ohr. Dies ist in sofern bedrohlich, da nun der Gleichgewichtssinn gestört wird und der Taucher unter Wasser orientierungslos ist.

Wenn der Taucher zu schnell abtaucht oder auftaucht und keine Zeit zum Druckausgleich verbleibt, kann es zum selben Unfallablauf kommen. Auch ein Verstopfen der Gehörgänge kann das Trommelfell schädigen da diese Gegenstände beim Abtauchen in Richtung Mittelohr gedrückt werden.

Barotrauma der Zähne

Durch kleine Undichtigkeiten an Plomben in den Zähnen kann beim Abtauchen Luft in die Zähne eindringen. Sollten sich diese Undichtigkeiten während des Tauchganges verschließen oder wird zu schnell aufgetaucht so kann die unter Druck in die Zähne gepresste Luft bei der Ausdehnung durch das Auftauchen nicht entweichen und der Zahn platzt oder die Plombe geht verloren.

Barotrauma im Magen- und Darmbereich

Beim Auftauchen dehnen sich geschluckte Luft oder Gährgase im Magen- und Darmbereich aus. Wenn die Elastizität ausgereizt wird, kann es zu stärkeren Schmerzen oder aber Rissen in diesen Organen kommen. Diese Traumen kommen aber eher selten vor.

Barotraumen der Lunge

Das sogenannte Lungenunterdruckbarotrauma hat seine Entstehung meist beim zu schnellen Abtauchen. Der Taucher sackt dann, weil er z. B. überbleibt ist, durch und kann seinen Abtrieb auch durch seine Tarierweste nicht mehr schnell genug ausgleichen. Oder aber der Taucher versucht ohne Atemgerät in größere Tiefen zu tauchen. Die Luft in der Lunge wird dann durch den plötzlich steigenden Aussendruck zusammengepresst und die Lunge versucht dieser Bewegung zu folgen. Irgendwann kann aber das Lungengewebe durch seine Vakuumaufhängung an Rippenfell, Mediastinum und Zwerchfell dieser Bewegung nicht mehr folgen und es kommt zuerst zum Lungenödem durch Wasserverschiebungen in die Lunge und bei noch stärkeren Drücken sogar zum Lungenriß.

Auch ein zu langer Schnorchel kann auf Dauer durch den erhöhten Atemwiderstand zu einem Lungenödem wegen des herrschenden Überdrucks führen.

 

Das Lungenüberdruckbarotrauma hat folgende Ursachen

  • Der Taucher hält beim Notaufstieg die Luft an.
  • Notaufstieg bei Stimmritzenkrampf
  • partieller Lufteinschluß durch Entzündung oder krankhaft verändertes Lungengewebe (Airtrapping)

In all diesen Fällen kann die sich durch den Aufstieg ausdehnende Luft nicht aus der Lunge abströmen und es kommt entweder zum Pneumothorax oder zur sogenannten Atemgasembolie (AGE).

Beim Pneumothorax reiß das Lungenfell, daß die Lunge zum Rippenfell, Mediastinum und Zwerchfell hin abschließt ein. Meistens geschieht dies im Bereich des Mediastinums eventuell aber auch am Rippenfell oder Zwerchfell.

Dadurch kollabiert die Lunge und es kommt neben einer lebensbedrohlichen Atemnot zur Hautemphysemen im Halsbereich (durch aufsteigende Luft) oder zu Luftembolien in der Blutlaufbahn.

Bei der AGE (Atemgasembolie) dringen durch kleinste Verletzungen aufgrund des Überdrucks Luftbläschen in die arterielle Blutbahn, die ebenfalls zu Embolien im Gehirn, der Lunge oder dem Herzen führen können. Die sich zeigenden Symptome reichen von Halbseitenlähmung, Hautemphysemen und Atemnot bis zum Husten mit blutigem Auswurf.

Beide Formen des Lungenüberdruckunfalles treten plötzlich auf und stellen etwa 95 % der Tauchunfälle.

Dekompressionskrankheit oder Caissonkrankheit (auch DCI = DeCompressionIllnes)

Die DCI ist eine Stickstofferkrankung. Durch den hohen Partialdruck sättigen sich die unterschiedlichen Körpergewebe mit Stickstoff. Das heißt, dieser löst sich im Körper. Anders als beim Sauerstoff, der im Körper verarbeitet wird, lässt sich Stickstoff nicht verwerten und wird daher in den Geweben gelöst.

Dafür gibt es sogenannte schnelle Gewebe wie z.B. Blut und Muskeln, die sich schnell sättigen aber auch langsame Gewebe wie Fett und Knochen die sich langsam sättigen, dafür aber auch langsam entsättigen.

Nach dem Gesetz von Henry sättigt sich unser Körper umso mehr je größer der Druck (d. h. die Tauchtiefe) ist.

Taucht man nun zu schnell wieder auf, so können die langsamen Gewebe den Stickstoff nicht dosiert genug für unsere Atmung abgeben und Nperlt aus (Sprudelflascheneffekt).

Die Folgen diese Ausperlens sind

  • beim DCI I °
    • Hautmarmorierungen und Kribbeln in der Haut (Taucherflöhe)
    • Bauchschmerzen
    • Gelenkschmerzen (Bends)
    • Lymphbahnverschlüsse
  • beim DCI II°
    • Fett oder Gasembolien im Nervensystem mit Querschnittslähmung
    • Bewußtlosigkeit

Im Gegensatz zur Atemgasembolie entsteht eine Caissonkrankheit langsam, eventuell sogar erst Stunden nach dem Tauchgang.

Um diese Erscheinungen zu vermeiden stehen dem Taucher die Austauchtabellen zur Verfügung. Sie haben nur den Sinn die Stickstoffsättigung zu berechnen und ein sicheres Austauchen zu ermöglichen. Trotz der Einhaltung der hier genannten Austauchzeiten und Dekompressionsstos kann es jedoch trotzdem zu einem DCI kommen. Dies hängt ganz individuell vom Taucher und seiner Konstitution wie z.B. Fettgehalt des Körpers oder aber Alkohl- und Medikamenteneinnahme, Wassertemperatur und der Atemleistung z.B. durch Unterwasserarbeiten ab.   

Notfallmanagement bei Tauchunfällen

In den vorgenannten Unfallereignissen ist nur bedingt auf Maßnahmen bei den unterschiedlichen Tauchunfällen eingegangen worden. Dies soll nun hier generell geschehen, da die Vorgehensweise meist identisch ist. Ein Taucher wird wie folgt gerettet.

  • Taucher sofort an Land bringen, dabei noch im Wasser Gerät mit Maske und Bleigurt ausziehen
  • an Land wird Weste und Anzug ausgezogen um die Vitalfunktionen sichern zu können
  • Vitalfunktionen ständig prüfen und gegebenenfalls aufrecht erhalten
  • bei Bewußtlosigkeit stabile Seitenlage
  • 100 %ige Sauerstoffgabe aus dem Notfallkoffer
  • Flüssigkeitszufuhr, bei Bewußtsein oral sonst per venösem Zugang (mind. 1000 ml Kochsalzlösung pro Stunde)
  • Merkblatt zur Aufnahme von Tauchunfällen gewissenhaft ausfüllen
  • Geräte sicherstellen (zur Unfallermittlung)
  • Tauchcomputer bleibt zur Anamnese durch den Taucherarzt beim Verletzten
  • Druckkammerbehandlung einleiten
  • Taucherarzt informieren
  • Transport nach Möglichkeit mit dem Rettungshubschrauber, da nur so Erschütterungen des Patienten vermieden werden können

Beinahe Ertrinken

Ein großes Einsatzgebiet der Feuerwehrtaucher ist die Suche versunkener Personen in Gewässern. Da eine gefundene Personen als beinahe ertrunken gilt, ist die Erste Hilfe für solche Unfallopfer eine grundlegende Kenntnis eines Feuerwehrtauchers.

Zur korrekten Hilfe müssen jedoch Unterscheidungen gemacht werden. Es gibt folgende Arten von Unfällen.

  • Primäres Versinken

Dies sind Unfälle, bei denen Personen aufgrund von Erkrankungen, Alkohlkonsum, Hyperventilation oder von Unfällen im Wasser versinken. Wenn der Verletzte nicht gerettet wird, droht er zu ersticken.

  • Primäres Ertrinken

Bei diesen Unfällen gelangt Wasser in den Körper. Beim trockenen Ertrinken tritt erst einmal kein Wasser in die Lunge ein. Dies wird durch einen Stimmritzenkrampf bei Wassereintritt in den Mund- und Rachenraum verhindert.

Das feuchte Ertrinken folgt nach Lösung des Stimmritzenkrampfes. Nun dringt das Wasser in die Lunge ein. Eine wichtige Unterscheidung hierbei ist jedoch noch zu machen. Beim Beinahe Ertrinken in Salzwasser verursacht die hypertone Salzwasserlösung in der Lunge eine zusätzliche Wasseransammlung. Das Blut dickt ein, da es seinen Flüssigkeitsanteil zum osmotischen Druckausgleich in die Lunge drückt. Beim Beinahe Ertrinken in Süßwasser wird das hypotone Wasser in die Blutbahn gedrückt. Zum osmotischen Druckausgleich verdünnt sich hier das Blut und die roten Blutkörperchen zerplatzen. Außerdem werden die Lungenbläschen zerstört.

Bei beiden Formen kann es nicht mehr zum Gasaustausch kommen und die Person gerät zuerst in Kammerflimmern und verstirbt, wenn keine Hilfe geleistet wird.

  • Sekundäres Ertrinken

Nach der Rettung kann es auch noch nach Stunden durch kleine eingedrungene Wassermengen zu einem Lungenödem kommen. Hierdurch kann kein Gasaustausch mehr stattfinden und der Verletzte ist in Lebensgefahr. Daher muß jede gerettete Person, auch bei scheinbarem Wohlbefinden zur Überwachung in ein Krankenhaus.

Maßnahmen bei Ertrinkungsunfällen

  • Rettung nur unter Berücksichtigung der eigenen Sicherheit.
  • Person nicht zur Befreiung vom Wasser ausschütteln.
  • Permanente Kontrolle der Vitalfunktionen.
  • Bei fehlender Atmung wird mit 100 % Sauerstoff unter PEEP 5 beatmet.
  • Bei fehlendem Kreislauf ist die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen.
  • Verletzen gegen Auskühlung sichern.
  • Intubation und Absaugung durch den Arzt.
  • Verletzten immer ins Krankenhaus überführen.

Unterkühlung und Erfrierung

Bei Einsätzen der Eisrettung sind die geretteten Personen und auch die eigene Mannschaft immer in Gefahr Unterkühlungen und Erfrierungen zu erleiden.

Bei einer Erfrierung kommt es zu Rötungen, Blasenbildungen bis hin zum Absterben ungeschützter Körperpartien wie Ohrläppchen, Nasenspitze, Zehen und Finger. Dies kann durch entsprechende Kleidung jedoch erfolgreich verhindert werden.

Ein viel größeres, weil lebensbedrohliches Problem, stellt hingegen die Unterkühlung dar. Die Ursache eines Abfalls der Körpertemperatur im allgemeinen kann der Sturz ins kalte Wasser, eine Verschüttung durch Lawinen, Bewegungsmangel oder die Bewußtlosigkeit aus unterschiedlichsten Ursachen im Freien sein.

Beim Fall der Körperkerntemperatur, die sicher nur rektal gemessen werden kann, durchlebt der Verletzte 3 Stadien die letztendlich zum Tode führen können.

  • Abwehrstadium (Erregungsstadium) Körperkerntemperatur 34 - 37 °C
    • kalte, blasse Haut
    • Erregung
    • Muskelzittern
    • schnelle, tiefe Atmung
    • Tachykardie
    • Schmerzen in Händen, Füßen, Knien
  • Erschöpfungsstadium Körperkerntemperatur 28 - 34 °C
    • zusätzlich Somnolenz
    • Muskelstarre nimmt zu
    • unregelmäßige, oberflächliche Atmung
    • weniger Schmerzempfinden
    • langsamerer, schwächerer, unregelmäßigerer Puls
  • Lähmungsstadium (Scheintod) Körperkerntemperatur 27 - 30 ° C
    • Bewußtlosigkeit
    • Muskelstarre
    • immer schwächer werdende Atmung
    • immer schwächer werdender Puls
    • Pupillen weit und später sogar lichtstarr
    • ohne Hilfe tritt der Tod ein

Maßnahmen

  • grundsätzlich müssen alle Unterkühlten an einen warmen, trockenen und windgeschützten Platz gebracht werden.
  • ab dem Erschöpfungsstadium darf die Person nicht mehr unnötig bewegt werden, da die Körperkerntemperatur durch eine Blutverschiebung zwischen äußerer Schale und Kern um nochmals bis zu 3 ° C fallen kann
  • bei vollem Bewußtsein dürfen warme, gezuckerte Getränke gereicht werden. (kein Alkohol)
  • Person wenn möglich vorsichtig entkleiden und warm zudecken (Vorsicht, nicht unnötig bewegen)
  • Vitalfunktionen kontrollieren
  • bei Ausfall der Vitalfunktionen Atemspende oder HLW durchführen (Achtung, Unterkühlte Personen haben auch noch großen Zeitspannen (mehr als 2 Stunden) noch gute Reanimationchancen)
  • Sauerstoffgabe

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